PRESSEMITTEILUNG
Durchblutungsstörung der Beine
Wadenkrämpfe beim Gehen sind das häufigste Frühwarnzeichen
Berlin, im Februar. Muskelschmerzen, die bei längerer Laufstrecke oder
während des Treppensteigens wiederholt in Waden, Oberschenkeln oder
der Gesäßregion einsetzen, sind das häufigste Frühwarnzeichen für eine
beginnende periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), die
sogenannte „Schaufensterkrankheit“. Darauf weist die Deutsche
Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) hin. „Viele
denken dann zunächst an einen Muskelkrampf aufgrund eines
Magnesium-Mangels“, betont DGG-Präsident Professor Dr. med. Dittmar
Böckler. Der Gefäßexperte erläutert, wie man die Durchblutungsstörung
von Gelenk- oder Bandscheibenschäden unterscheidet und richtig
diagnostiziert.
Ursache der Schaufensterkrankheit ist eine Verengung der Gefäße, die das
Bein mit Blut versorgen. Der Engpass führt bei körperlicher Belastung zu
einem Sauerstoffmangel in der Muskulatur, der sich wie ein Muskelkrampf
oder Muskelkater anfühlt und die Betroffenen zum Stehenbleiben zwingt – so,
als wollten sie die Auslagen in Schaufenstern betrachten. „Typischerweise
zieht der Schmerz bei der pAVK von unten nach oben, also von der Wade in
den Oberschenkel“, erläutert Böckler. „Er setzt erst nach längerer Laufstrecke
von etwa 200 Metern ein und hört auf, wenn man stehen bleibt – ein
Phänomen, das sich wiederholt.“
Damit sind wichtige Unterscheidungskriterien zu anderen Erkrankungen
gegeben, die Schmerzen und Krampfgefühle in den Beinen auslösen können.
Im Fall von Schäden an Knie- oder Hüftgelenken etwa setzen die Schmerzen
vor allem beim Anlaufen ein. „Dieser Schmerz beginnt beim Losgehen und
hört während des Gehens wieder auf“, erklärt der Heidelberger Gefäßchirurg.
Beinschmerzen können aber auch von den Bandscheiben herrühren, einem
„Hexenschuss“. Dies äußert sich wieder anders. „Handelt es sich einen
eingeklemmten Ischiasnerv, zieht der Schmerz typischerweise von oben aus
dem Gesäß heraus nach unten ins Bein“, so Böckler.
Lässt das Schmerzgeschehen auf eine Schaufensterkrankheit schließen, so
erhärten Risikofaktoren den Verdacht. Besonders pAVK-gefährdet sind
Männer, Personen ab 60 Jahren, aktive oder Ex-Raucher sowie Personen mit
Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck. „Weitere wichtige Warnzeichen
für eine fortgeschrittene arterielle Durchblutungsstörung der Beine sind kalte,
pelzige Füße und hartnäckige kleine Wunden an Fuß oder Unterschenkel, etwa
nach Bagatellverletzungen, die nach drei bis vier Wochen nicht abgeheilt sind“,
betont der DGG-Präsident.

Wer solche Symptome an sich feststellt, sollte seinen Hausarzt darauf
ansprechen. „Er wird zunächst die Pulse an Leiste, Kniekehle und Fuß tasten,
um die Durchblutung körperlich zu untersuchen“, so Böckler. Darauf folgt die
wichtigste Technik zur Früherkennung einer pAVK: eine Doppler-
Druckmessung mittels Ultraschall an Arterien an Arm und Fußknöchel, die den
sogenannten Knöchel-Arm-Index oder englisch Ankle-Brachial-Index (ABI)
bestimmt. „Diese Untersuchung ähnelt einer Blutdruckmessung mit
zusätzlichem Ultraschall“, erläutert Böckler. Der ABI-Index gibt an, wie stark
Gefäßablagerungen die Blutzirkulation behindern, und liegt bei gesunden
Menschen zwischen 0,9 bis 1,3. Bei einem ABI-Wert unter 0,9 ist der Patient
an pAVK erkrankt.
„Ab diesem Zeitpunkt sollten sich Betroffene an Gefäßchirurgen und
Gefäßmediziner wenden“, rät der DGG-Präsident. Denn pAVK-Patienten sind
Risikokandidaten für andere lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
70 Prozent der pAVK-Patienten erleiden langfristig einen Herzinfarkt, weitere
fünf Prozent erliegen einem Schlaganfall. „Der Mechanismus ist nämlich der
gleiche, die Gefäße sind verstopft“, betont der Ärztliche Direktor der
Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum
Heidelberg.
Bei der Behandlung stehen zunächst Lebensstil-Maßnahmen, Geh-Training
und Medikamente im Vordergrund. Schreitet die Gefäßerkrankung weiter
voran und entwickelt der Patient nächtliche Ruheschmerzen oder offene
Wunden, spricht man von einer kritischen Durchblutungsstörung. Dann steht
eine Vielzahl an Therapieverfahren bereit, um die arterielle Durchblutung
wieder zu verbessern. „Dafür sollte sich der Patient in ein interdisziplinär
aufgestelltes zertifiziertes Gefäßzentrum begeben“, empfiehlt Böckler. Ziel ist
in solchen Fällen die Verhinderung einer Amputation.
In Deutschland leiden derzeit schätzungsweise bis zu acht Millionen Menschen
an einer pAVK. „Wir rechnen vor dem Hintergrund der steigenden
Lebenserwartung mit einer starken Zunahme betroffener Patienten“,
prognostiziert der Universitätsmediziner.
Zertifizierte Gefäßzentren an Kliniken:
https://www.gefaesschirurgie.de/patienten/zertifizierte-gefaesszentren/
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