Unterschätztes Leiden – Wadenkrampf
Eine Patienteninformation der Deutschen Schmerzliga e. V.

Der besseren Lesbarkeit halber verwenden wir in
dieser Broschüre nur die männliche Version von
Arzt, Therapeut o. Ä. Selbstverständlich sind im‐
mer auch die Frauen gemeint, auf deren Verständ‐
nis wir hoffen.
Verantwortlich für den Inhalt dieser Broschüre ist die Deutsche Schmerzliga e. V.
Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschrie‐
benen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität,
Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und
er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie
bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens!
Unterschätztes Leiden – Wadenkrampf
Eine Patienteninformation der Deutschen Schmerzliga e. V.

Inhalt
4
Vorwort 6
Wie entsteht ein Wadenkrampf 9
Irrwege - Leidenswege 10
Das Arzt-Patienten Gespräch 11
Schmerzen messen, aber wie? 12
Dokumentieren Sie hier die nächsten sechs Krampfnächte 14
Eine angenehme Schlafumgebung schaffen 15
Interview: „Dein Leben wird ein Krampf“ 17
Hast Du noch weitere Tipps zur Vorbeugung? 19
Was Ihnen zusätzliche hilft 20
5 Tipps 22
5
Selbsthilfegruppen 23
Positive Gedanken 24
Ihre Vorteile als Mitglied im Überblick 25
Mitgliedsantrag 26

6
Vorwort
Wir alle kennen
- 
Weltmeisterinnen/Weltmeister, die im Ziel nach
ihrem Triumph erschöpft und von Wadenkrämpfen
geplagt zu Boden sinken,
- 
Fußballerinnen/Fußballer, die -egal ob in der Kreis
klasse C oder in der Bundesliga- sich mit Waden-/
Muskelkrämpfen auf dem Rasen wälzen,
- 
Partnerinnen/Partner, die nachts vor Waden-
krampf-Schmerzen laut schreiend aus dem Schlaf
schrecken etc.
Viele von uns wissen aus eigener Erfahrung was nächtliche
Wadenkrämpfe bedeuten.
2,8 Millionen Menschen erleiden ein oder mehrmals pro Monat
extrem schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe - manche
sogar mehrmals pro Nacht!
Die Folgen dieser Schmerzattacken gehen weit über den ge‐
störten Nachtschlaf hinaus. Oft kreisen schon tagsüber die Ge‐
danken rund um den nächtlichen Terror, beginnt die Bettruhe
mit der Befürchtung, gar Angst, einen nächtlichen Waden‐
krampf zu erleben. Spätestens dann denken und sagen wir iro‐
nisch … „Na dann gute Nacht“. Der durch die Schmerzattacken
gestörte Nachtschlaf führt zu vermehrter Tagesmüdigkeit, kör‐
perlichen und geistigen Leistungseinschränkungen, seelischer
Belastung. Gleichzeitig wird die Fähigkeit der Verarbeitung kör‐
perlicher und mentaler Belastungen durch den Nachtschlaf ge‐
stört, akkumulieren verschiedenste Faktoren und übersteigen
irgendwann auch die individuelle Leistungsgrenze.
Aufbauend auf den Erfahrungen und den Gesprächen mit den
zahlreichen Ratsuchenden u.a. am Schmerztelefon der Deut‐
schen Schmerzliga und den Erfahrungen aus den Patienten-
Aktionen der Deutschen Schmerzliga zum nächtlichen Waden‐
krampf vom Frühsommer des vergangenen Jahres haben wir
für Sie in dieser Broschüre vielfältige Informationen zum
Krankheitsbild des nächtlichen Wadenkrampfs zusammenge‐
tragen. Gleichzeitig enthält sie zahlreiche praxiserprobte Tipps
und nützliche Hinweise von betroffenen Schmerzpatienten.
77
Mit dieser bestimmt auch für Sie informativen Broschüre, wün‐
schen wir Ihnen für Ihre Gesundheit alles Gute.
Für den Vorstand
Günter Rambach
(Vizepräsident der DSL e. V.)
Die Deutsche Schmerzliga e. V.
Die Patientenorganisation für Menschen mit
chronischen Schmerzen, wurde 1990 -vor über 30
Jahren!- von Patienten und Ärzten gegründet.
Die DSL e. V. hat das Ziel, die Lebensqualität von
Menschen mit chronischen Schmerzen zu verbessern.
Nutzen Sie unsere Hilfsangebote!
Als Betroffener wissen Sie es am besten:
Schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe kön‐
nen sehr belastend sein. Die mitunter extre‐
men Schmerzen machen die Nacht zur Qual.
An erholsamen Schlaf ist nicht zu denken, im
Gegenteil: Das Bett als Sinnbild für Ruhe und
Entspannung wird zum Ort der Ängste und der
Verzweiflung. Schon am Abend kommt die
Angst vor der nächsten Nacht und vor dem
nächsten Krampf auf. Erschwerend kommt
die Tatsache hinzu, dass Betroffene häufig
von ihrem Umfeld nur wenig Verständnis und
Unterstützung erwarten können. Denn Wa‐
denkrämpfe werden allzu oft als „Lappalie“
angesehen. Das aber sind sie ganz und gar
nicht!

Betroffene
fühlen sich nicht
verstanden
Betroffene
gehen gar nicht
oder erst spät
zum Arzt
Betroffene
passen sich der
Sichtweise des
Umfeldes an
Betroffene
verharmlosen
ihr Leiden
8 
99
Wie entsteht ein Wadenkrampf
Muskelkrämpfe (medizinisch Crampi oder Crampus-Syndro‐
me, bisweilen seitens Ärzten auch als (Muskel-)Spasmus,
Mehrzahl: (Muskel-)Spasmen beschrieben) können sowohl
tagsüber (z. B. bei bestimmten Aktivitäten), aber auch abends
im Bett, beim Einschlafen oder mitten in der Nacht auftreten.
Bei den typischen nächtlichen Muskelkrämpfen ziehen sich die
Muskeln häufig vorne oder seitlich am Schienbein (im Bereich
der Wade), gerne aber auch an der Fußsohle und/oder an den
Zehen zusammen.
Ursächlich sind die schmerzhaften Wadenkrämpfe Folge zwei‐
er gegensätzlicher Fehlentwicklungen: entweder überfordern
Wadenschmerzgeplagte ihre Muskulatur, oder sie unterfordern
sie. Zusätzliche Faktoren sind Fehlbelastungen bestimmter
Muskeln (wie sie z. B. bei Gelenkproblemen im Bereich von
Knie- und/oder Sprunggelenken oder Fußfehlstellungen wie z.
B. Senk- oder Spreizfüßen auftreten können), Durchblutungs‐
störungen und Nervenschädigungen sowie Flüssigkeits- und
Mineralstoffmangel (Mangel an Magnesium und Kalium, etwa
bei starken Durchfällen oder Erbrechen), hormonelle und stoff‐
wechselbedingte Einflüsse (Schwangerschaft, Schilddrüsen‐
unterfunktion) sowie Medikamentennebenwirkungen (z. B.
durch Abführmittel, Bluthochdruckmedikamente, Verhütungs‐
mittel, etc.).
- Vorerkrankungen der Gefässe
- Orthopädische Probleme
- Stoffwechselerkrankungen
- Nerven- und Muskelkrankheiten
- Alkohol
- Störung des Hormonhaushaltes
- Störung des Elektrolythaushaltes
Beschreiben Sie dem Arzt Ihre Schmerzen möglichst ge‐
nau! Verharmlosen Sie dabei nicht: Wo tut es weh? Wie
stark schmerzt es? Wie fühlt sich der Schmerz an? Seit
wann, wie häufig und bei welcher Gelegenheit tut es
weh? Ist es tagsüber oder nachts schlimmer? Welche
Faktoren beeinflussen Ihre Wadenkrämpfe?
Typischerweise nehmen Muskel-/Wadenkrämpfe mit
fortschreitendem Alter zu. Ursache hierfür sind Abnah‐
me und Umbau (vor allem Verkürzung) der Muskulatur.
Hinzu kommen einseitige Ernährung, eine zu geringe
Trinkmenge sowie die mit dem normalen Alterungspro‐
Mögliche Gründe für schwere nächtliche Wadenkrämpfe:

Irrwege - LeidenswegeWie entsteht ein Wadenkrampf
(Fortsetzung)
zess verbundenen typischen Veränderungen von Stoffwechsel
und Hormonhaushalt, Durchblutungsstörungen sowie stati‐
sche Probleme durch den Alterungsprozess von Knochen und
Gelenken.
Nicht immer lässt sich für diese peinvollen Muskelkrämpfe
eine eindeutige Ursache finden. Wenn diese sogenannten idio‐
pathischen (Waden-)Krämpfe nicht zu oft auftreten, sich nach
kurzer Zeit (z. B. durch/nach Dehnübungen) wieder legen, be‐
steht meist kein Grund zu Sorge. Treten diese Krämpfe jedoch
über einen längeren Zeitraum gehäuft oder in Serien auf, wer‐
den die einzelnen Ereignisse länger und sprechen sie zuneh‐
mend schlechter auf sonst/anfänglich wirksame Gegenmaß‐
nahmen an, zeigen sich die Krämpfe nicht mehr nur in den Wa‐
den und im Fuß, sondern auch in anderen Bereichen und kom‐
men noch andere Beschwerden hinzu (wie z. B. krampfunab‐
hängige Gefühlsstörungen, Missempfindungen, Taubheitsge‐
fühle und Schmerzen oder Schwellungen), so sollte eine medi‐
zinische Abklärung zum Ausschluss von Stoffwechsel- (Diabe‐
tes mellitus, Schilddrüse, Nebenniere) und Nierenerkrankun‐
gen, chronischen Magen-/Darminfektionen sowie bestimmten
Nerven- und Muskelkrankheiten erfolgen. Hierfür ist zunächst
der Hausarzt zuständig, der ggf. ergänzend geeignete Fachärz‐
te hinzuzieht.
10
Viele Betroffene, die unter schmerzhaften nächtlichen Waden‐
krämpfen leiden, greifen zunächst zur Selbstbehandlung. Das
ist nachvollziehbar, da mit Dehnübungen und Magnesiumein‐
nahme einfache und praktikable erste Behandlungsversuche
gegeben sind.
Allerdings wird häufig von unzureichenden Behandlungserfol‐
gen berichtet – vielleicht haben auch Sie dies bereits festge‐
stellt. Aufgrund der Begrenztheit ihrer Handlungsmöglichkei‐
ten und der ausbleibenden Verbesserung ihres Zustands ent‐
steht bei den Betroffenen auf Dauer ein Gefühl der Ausweg‐
losigkeit. Die oft daraus resultierende Resignation steht dann
einer weiteren Suche nach einer wirklich wirksamen Hilfe im
Weg.
11
Das Arzt-Patienten Gespräch
Wichtig für den Erfolg einer medizinischen Behandlungs-
basis ist ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch.
Der Arzt wird Sie detailliert befragen, daher sollten Sie gut
vorbereitet Ihre Schmerzen darstellen können.
Wo, seit wann und bei welcher Gelegenheit treten die Waden‐
krämpfe auf und wie stark sind diese?
Schmerzhafte nächtliche Wadenkrämpfe können verschiedene
Ursachen haben. Häufig lässt sich auch gar keine zugrunde
liegende Ursache identifizieren. Für Betroffene ist es deshalb
wichtig, auch Behandlungsmöglichkeiten zu nutzen, die ursa‐
chenunabhängig wirken.

12
Schmerzen messen, aber wie?
Damit Ihr Arzt Ihnen die für Sie optimale Therapie verordnen
kann, ist es wichtig, dass Sie ihn bei der Therapie unterstützen.
Denn keiner kennt Ihren Schmerz so gut wie Sie selbst! Am
besten funktioniert das, indem Sie Ihre Schmerzen messen
und dokumentieren. Zusätzlich sollten Sie notieren, wie es Ih‐
nen mit der Therapie geht. Mit dieser Dokumentation kann der
Arzt Ihre Schmerzen besser nachvollziehen und Sie optimal
behandeln. Auch sieht er dadurch, wie gut Sie die Therapie ver‐
tragen.
Um Ihre Schmerzstärke zu erfassen, hilft Ihnen eine Schmerz‐
skala. Dies ist ein zehn Zentimeter langer Schieber, auf dem
Sie zwischen den Punkten »Kein Schmerz« und »Stärkster
Schmerz« einstellen, wie stark Ihr Schmerz ist. Je stärker Sie
ihn empfinden, desto weiter schieben Sie den orangefarbenen
Schieber in Richtung »Stärkster Schmerz«. Auf der Rückseite
können Sie dann Ihre aktuelle Schmerzstärke auf einer Skala
von 0 (»Kein Schmerz«) bis 10 (»Stärkster Schmerz«) ablesen.
SCHMERZSKALA
zur Ermittlung der Schmerzstärke
... und jetzt den Wert ablesen und eintragen
Deutsche
Schmerzliga e.V.
www.schmerzliga.de 
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Die etablierte medizinische Behandlung schmerz‐
hafter nächtlicher Wadenkrämpfe sieht folgende
Maßnahmen vor:
● Regelmäßige Dehnung verkrampfender
Wadenmuskulatur
● Behandlungsversuch mit Magnesium
● Ärztliche Behandlung ggf. mit
verschreibungspflichtiger Medikation
Checkliste für das Arzt-/Patientengespräch:
Familiäre Veranlagung für Wadenkrämpfe
Bisherige bzw. vorhandene Erkrankungen (z. B. Niere-
oder Darmerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen,
orthopädische Probleme)
Sonstige Beschwerden (z. B. häufiges Auftreten von
Durchfall, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, starke
Müdigkeit o. Ä.)
Bisherige Operationen
Einnahme von Medikamenten (z. B.Antibabypille,
Cholesterinsenker, Beta-Blocker)
Bewegungsverhalten (Wie viel Zeit am Tag verbinge ich
im Sitzen, Stehen, Laufen, Liegen?)
Sportliche Aktivitäten (Sportart, Häufigkeit)
Ernährungsgewohnheiten (z. B. Obst, Gemüse, Milch-
und Vollkornprodukte, tägliche Trinkmenge,
Durchführung einer Diät)
Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln
(z. B. Vitamine und Mineralstoffe)
Tabakkonsum
Alkoholgenuss (Wie häufig trinke ich Alkohol und in
welcher Menge?)
13

DOKUMENTIEREN SIE HIER DIE NÄCHSTEN
SECHS KRAMPFNÄCHTE
Datum
Anzahl der
Krämpfe
Längste
Krampfdauer
Schmerzintensität (Höhepunkt)
Schlafqualität
Magnesium eingenommen?
Ja 
Nein
< 1 min
1
–
5 
min
> 
5 min
Datum Datum
DatumDatumDatum
Anzahl der Anzahl der
Anzahl derAnzahl derAnzahl der
Krämpfe Krämpfe
KrämpfeKrämpfeKrämpfe
Längste Längste
LängsteLängsteLängste
Krampfdauer Krampfdauer
KrampfdauerKrampfdauerKrampfdauer
Schmerzintensität (Höhepunkt) Schmerzintensität (Höhepunkt)
Schmerzintensität (Höhepunkt)Schmerzintensität (Höhepunkt)Schmerzintensität (Höhepunkt)
Schlafqualität Schlafqualität
SchlafqualitätSchlafqualitätSchlafqualität
Magnesium eingenommen? Magnesium eingenommen?
Magnesium eingenommen?Magnesium eingenommen?Magnesium eingenommen?
Ja Ja
JaJaJa
Nein Nein
NeinNeinNein
< 1 min < 1 min
< 1 min< 1 min< 1 min
1
–
5 
min 
1
–
5 
min
1
–
5 
min
1
–
5 
min
1
–
5 
min
> 
5 min 
> 
5 min
> 
5 min
> 
5 min
> 
5 min
14
Dokumentieren Sie hier die nächsten sechs Krampfnächte
15
Eine angenehme Schlafumgebung schaffen
Maßnahmen für einen guten Schlaf
Eine Grundvoraussetzung für guten Schlaf ist eine angenehme Umgebung und Atmosphäre im Schlafzimmer:
Ein bequemes Bett und eine hochwertige
Matratze sind wichtig – eine falsche, unpas‐
sende Matratze oder eine unbequeme Liege‐
position können Wadenkrämpfe begünsti‐
gen.
Auf die Temperatur achten: Die optimale
Raumtemperatur zum Schlafen beträgt etwa
18 °C.
Das Schlafzimmer sollte abgedunkelt sein,
damit der Schlaf nicht von zu viel Lichtzufuhr
gestört wird.
Auf Fernseher, Computer, Smartphones und
Tablets sollte nach Möglichkeit verzichtet
werden.
Die Bettdecke sollte weder zu dick noch zu
dünn sein und eine gemütliche, frische Bett‐
wäsche sorgt dafür, dass man sich wohlfühlt.
Vor dem Zubettgehen sollte das Schlafzim‐
mer gelüftet werden.

16
Wadenkrämpfe sind
NICHT harmlos
Mehr als die Hälfte
der Betroffenen hat mehrmals pro Monat
schmerzhafte Wadenkrämpfe
Bundesweit ca. 2,8 Mio.
Betroffene
Nahzu alle Betroffenen
beschreiben extreme
SCHMERZEN
Es gibt HILFE!
Sie werden ernst genommen
Erdulden Sie die
Schmerzen nicht!
Werden Sie aktiv
Beginnen Sie mit den
Dehnübungen
Dokumentieren Sie
Ihre Wadenkrämpfe
Notieren Sie
Ihre Fragen
Suchen Sie Ihren
Arzt auf
17
Interview: „Dein Leben wird ein Krampf“
Wie zahlreiche Betroffene in Deutschland litt auch Tanja S.
(49) aus Schönberg jahrelang unter nächtlichen Waden-
krämpfen. Im Interview berichtet sie von ihrer Geschichte.
Wie schlimm waren Ihre Wadenkrämpfe und wie regelmäßig
traten sie auf?
Meine Wadenkrämpfe würde ich auf einer Skala von eins bis
zehn als zehn bezeichnen.
Anfangs traten sie vereinzelt auf, später vier bis sechs Mal die
Woche. In schlimmsten Zeiten beherrschten sie mich jede
Nacht.
Welche Maßnahmen haben Sie während eines Krampfes oder
vorbeugend unternommen?
Lange Wechselduschen und Einreiben mit Franzbranntwein,
Wadenwickel, Dehn- und Stretchübungen und vor allem immer
wieder den Fuß „überstrecken“.
Oft war das Gefühl, einen Gegenschmerz erzeugen zu wollen,
so groß, dass ich das Bein mit aller Kraft gegen die Zimmer‐
wand gepresst habe.
Nur um sich selber zu beruhigen, dass es noch größere
Schmerzen geben könnte. Zudem habe ich Magnesium pro‐
biert.
Haben Sie durch die Wadenkrämpfe Auswirkungen auf Ihren
(Arbeits-) Alltag gespürt?
Ja, leider sehr viele und schwerwiegende.
Als unser Sohn kleiner war, konnte ich an vielen Dingen nicht
aktiv teilnehmen, weil die Angst vor dem nächsten Krampf im‐
mer gegenwärtig war.
Dinge im Alltag, die für jede Mutter normal sind, waren unmög‐
lich. Viele Freundschaften gingen auseinander, weil ich häufig
nicht so spontan sein konnte.
Ich habe eine Stelle aufgeben müssen, da ich damals noch
nicht in der Lage war, über diese Krankheit zu sprechen.
Wenn ich wegen schlafloser Nächte am nächsten Tag müde
und unkonzentriert war, reagierte man mit Unverständnis.
Ich habe mich in ein Schneckenhaus verzogen und wurde im‐
mer einsamer.

18
Wie waren Ihre Erfahrungen mit Ihrem Umfeld – wurde Ihre
Leidenssituation ernst genommen?
Leider herrscht bei den meisten Leuten Unverständnis. Es fällt
sowieso schwer, offen darüber zu reden, da es für die meisten
Menschen im Umfeld keine Erkrankung bzw. kein ernstzuneh‐
mendes Problem ist.
Man bekommt immer nur zu hören, wem es alles schlechter
gehe. Betroffene leiden so unsagbar, werden häufig belächelt
und nicht ernst genommen.
Das habe ich zu oft erlebt. Diese Krämpfe passieren in der
Wade, doch nehmen sie ungefragt Raum in deinem ganzen Le‐
ben ein. Dein Leben wird ein Krampf.
Wie geht es Ihnen heute?
Es geht mir heute sehr gut.
Ich habe kaum noch Beschwerden. Zwei Monate nach dem
ersten Auftreten meiner Krämpfe habe ich meinen Hausarzt
aufgesucht. Anfangs dachte ich ja, die Wadenkrämpfe hätten
einen belanglosen Auslöser – wie z. B. falsches Schuhwerk, zu
wenig Dehnen nach dem Sport oder ein Mineralstoffmangel.
Es hat dann auch etwas gedauert, Ursachen wie z. B. orthopä‐
Interview: „Dein Leben wird ein Krampf“
(Fortsetzung)
dische oder neurologische Gründe für die schmerzhaften Wa‐
denkrämpfe auszuschließen.
Doch nach einigen Gesprächen konnte mein Arzt mir mit weite‐
ren Therapieoptionen helfen.
Was möchten Sie anderen Betroffenen mit auf den Weg ge-
ben?
Sie sind nicht alleine.
Es gibt andere, denen es auch so geht. Ich bin froh, dass ich
heute keine Angst mehr davor habe, offen darüber zu spre‐
chen.
Doch das hat gedauert.
Betroffene sollten nicht zu lange warten und ihren Arzt frühzei‐
tig aufsuchen. Außerdem finde ich es wichtig, dass verstärkt
über dieses wichtige Thema aufgeklärt wird.
19
Hast Du noch weitere Tipps zur Vorbeugung?
Ja, z. B.
- Ausdauersport wie Schwimmen, Joggen oder
Radfahren
- täglich leichte Massagen der krampfenden Wade
- Wechselduschen in warm-kalt-Variationen
- Warme Wadenwickel
Weitere Tipps finden Sie unter:
www.gute-nacht-wadenkrampf.de

Was Ihnen zusätzliche hilft
Schmerz ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psy‐
chische Belastung. Schmerzpatienten ziehen sich häufig aus
ihrem sozialen Umfeld zurück. Alles dreht sich nur noch um
den Schmerz. Um das zu verhindern, ist neben einer medika‐
mentösen Schmerztherapie auch die innere Einstellung des
Patienten wichtig.
Versuchen Sie, sich vom Schmerz abzulenken und ihn nicht Ihr
Leben dominieren zu lassen.
Versuchen Sie, das zu tun, was Ihnen Freude bereitet und unter‐
stützen Sie die medikamentöse Therapie mit begleitenden
Maßnahmen wie z. B. Dehnübungen.
Strecken Sie die Ferse nach vorn und ziehen
Sie die Zehen in Richtung Nase. Die beuge‐
seitige Muskulatur des Oberschenkels wird
nun gedehnt.
Intensivieren Sie die Übung bei Bedarf, indem
Sie das Knie etwas beugen und mit der Hand
die Zehen in Richtung Nase ziehen.
Setzen Sie sich mit geradem Oberkörper und
gestreckten Beinen auf und stützen Sie sich
mit den Händen ab. Strecken Sie die Knie
durch, so dass diese möglichst aufliegen.
1
2
3
Übung 1
Anziehen der Zehen
Keine Hilfsmittel erforderlich
Dauer: ca. 3 – 4 Min.
Wiederholen Sie jede Seite 10- bis 12-mal.
20
Übung 2
Absenken der Ferse
Hilfsmittel: Treppe, Bordstein oder ein Gegenstand, den man als Podest nutzen kann
(z. B. ein Buch)
Dauer: ca. 3 – 4 Min.
Wiederholen Sie jede Seite 10- bis 15-mal.
Übung 3
Zurücksetzten des Beins
Hilfsmittel: eine Wand
Dauer: ca. 3 – 4 Min.
Wiederholen Sie jede Seite 10-mal.
Ausführliche Erklärvideos mit Prof. Dr. med. Oliver Tobolski
finden Sie unter
www.gute-nacht-wadenkrampf.de
21
Senken Sie nun die Ferse am Stufenende
möglichst tief ab, so dass Zug auf die Wa‐
denmuskulatur entsteht.
Stützen Sie sich dabei auf das Knie der Ge‐
genseite. So können Sie die Dehnung der Wa‐
denmuskulatur variabel dosieren.
Stellen Sie sich mit beiden Füßen auf eine
Treppenstufe und lassen Sie eine Ferse am
Stufenende absinken. Neigen Sie dann den
Oberkörper leicht nach vorne und beugen Sie
das Knie des Standbeins.
1
2
3
Lassen Sie das zurückgesetzte Bein ge‐
streckt und dehnen Sie auf diese Weise die
Wadenmuskulatur. Achten Sie dabei darauf,
dass die Fersen im Kontakt mit dem Boden
bleiben.
Variieren Sie das Ausmaß der Dehnung über
den Beugungsgrad des gegenüberliegenden
Kniegelenks und der Ellbogengelenke.
Halten Sie die Dehnung etwa 10 Sek.
Stellen Sie sich mit ca. einem Meter Abstand
vor eine Wand. Lehnen Sie sich vor und stüt‐
zen Sie sich mit den Händen dagegen. Hal‐
ten Sie den Oberkörper gerade und schieben
Sie das betroffene Bein nach hinten.
1
2
3

5 Tipps
Wie Sie im Alltag mehr Lebensqualität gewinnen können
Tipp 1
Beweglich bleiben
Legen Sie kürzere Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu‐
rück, benutzen Sie lieber die Treppe als den Aufzug. Bleiben
Sie in Bewegung, ohne Ihren Körper zu belasten
Tipp 2
Überlastung vermeiden
Bei Bewegungsschmerzen sollten Sie Entlastungsmöglich-
keiten für Ihren Körper suchen: Nutzen Sie für Ihre Einkäufe ei‐
nen Einkaufswagen statt eines Korbs. Wenn möglich, transpor‐
tieren Sie schwere Taschen lieber mit dem Auto, dem Rad oder
einem Trolli. Vermeiden Sie bei der Gartenarbeit eintönige
Tätigkeiten über Stunden und tragen Sie lieber zwei kleine
Gießkannen statt einer großen.
Tipp 3
Über Freizeit und Beruf sprechen
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Hobbys und Freizeitak‐
tivitäten, aber auch berufliche Tätigkeiten für Sie geeignet sind.
Suchen Sie beispielsweise das Gespräch mit Ihrem Arbeitge‐
ber. Viele Unternehmen bieten Programme zur Gesundheits‐
förderung an, von denen Sie und Ihr Arbeitgeber profitieren
können.
Tipp 4
Verspannung gegegnen
Körperliche Verspannungen können überall im Alltag entste‐
hen. Achten Sie auf eine dynamische Sitzhaltung beim Fernse‐
hen, Lesen und vor allem im Büro. Ihr Arbeitsplatz sollte ergo‐
nomisch mit höhenverstellbaren Tischen und Stühlen ausge‐
stattet sein. Stehen Sie häufiger auf, wechseln Sie die Sitzposi‐
tion und nutzen Sie die Pausen für einen Spaziergang.
Tipp 5
Medikamente regelmäßig einnehmen
Damit Ihre Schmerztherapie die gewünschte Linderung be‐
wirkt, nehmen Sie Ihre Schmerzmedikamente regelmäßig ein.
Erst eine ausreichende Schmerzlinderung sorgt dafür, dass die
Nachtruhe erholsam ist und Sie tagsüber konzentrationsfähig
bleiben.
22 
23
Selbsthilfegruppen
Fühlen Sie sich mit Ihren Schmerzen allein gelassen oder nicht
verstanden?
Oft akzeptieren Außenstehende Ihre Situation, können Sie aber
selten nachvollziehen. Beistand und Gesprächspartner können
Sie in Selbsthilfegruppen finden. Sie helfen Ihnen, durch ge‐
meinsame Aktivitäten neue Freundschaften zu schließen und
mehr Lebensqualität zu gewinnen.
● Viele Mitglieder in Selbsthilfegruppen haben das
Ziel, ihr Leben wieder bewältigen zu können und
die eigene Isolation zu überwinden. Wie gehen an-
dere Betroffene mit den Schmerzen um? Welche
nützlichen Tipps können Ihnen den Alltag erleich-
tern?
● Der Erfahrungsaustausch mit anderen Schmerz-
patienten und Angehörigen hilft, gemeinsam die
Schmerzkrankheit und die damit verbundenen
psychischen Probleme zu bewältigen. Treffen Sie
sich mit anderen Betroffenen. Gehen Sie gemein-
sam ins Museum oder organisieren Sie einen
Kaffeenachmittag. Das hilft, sich von den Schmer-
zen abzulenken.
● In der Selbsthilfegruppe erhalten Sie jede Menge
Informationen. Zum Beispiel zu Therapiemöglich-
keiten, Ärzten, Kliniken, aber auch zu sozialrecht-
lichen Fragen.
● Die Deutsche Schmerzliga e. V. unterstützt Sie
bei der Suche nach einer Selbsthilfegruppe.
Auch wenn Sie selbst aktiv werden und eine
eigene Gruppe gründen möchten, sind Sie bei der
Deutschen Schmerzliga e. V. genau richtig.
● Die Deutsche Schmerzliga e. V. möchte die Ver-
sorgung und Lebensqualität von Menschen mit
chronischen Schmerzen verbessern. Wir sind ca.
3.000 Mitglieder. Unser Schmerztelefon ist für
alle Interessierten MO - FR in der Zeit von 9:00 –
12:00 Uhr unter der Tel.-Nr. 069 / 20 019 019 er-
reichbar. Für Berufstätige bieten wir montags in
der Zeit von 18:00 – 20:00 Uhr eine Schmerztele-
fonzeit unter der Nr. 06201 / 6 04 94 15 an.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer
Homepage unter www.schmerzliga.de
Gemeinsam gegen den Schmerz

20
Positive Gedanken
Die seelische Verfassung eines Menschen wirkt sich auch im‐
mer auf seinen Gesundheitszustand aus. Für Schmerzpatien‐
ten bedeutet das: Positive Gedanken und das Vertrauen in die
eigene Kraft können das Schmerzempfinden beeinflussen und
Lebensfreude wieder herstellen. Mit den folgenden Tipps steht
der Schmerz nicht mehr im Mittelpunkt des Alltags:
� Lernen Sie, mit Ihrem Schmerz umzugehen, damit
dieser nicht Ihr Leben bestimmt. Kämpfen Sie nicht
ständig gegen den Schmerz. So können Sie Ihre
Energien auf Aktivitäten richten, die Ihnen gut tun.
� Wenden Sie sich, so gut Sie können, auch weiterhin
den schönen Dingen des Lebens zu und versuchen
Sie, Stress zu vermeiden. Die Sonne genießen,
einen ausgedehnten Spaziergang in der Natur
machen oder mit den Kindern spielen – das ändert
Ihre Wahrnehmung, schafft Ablenkung und führt zu
mehr Gelassenheit. So rückt der Schmerz ein Stück
weit in den Hintergrund.
� Sorgen Sie für Entspannung, z. B. mit autogenem
Training, einem Wohlfühlbad, einem Buch oder
Ihrer Lieblingsmusik. Das wirkt sich positiv auf
den Schmerz aus und vertreibt negative Gedanken.
� Sammeln Sie Ihre Glücksmomente und notieren
Sie Ihre persönlichen positiven Erlebnisse, wie z. B.
einen schönen Museums- oder Konzertbesuch, in
einem Tagebuch.
� Gestalten Sie Ihre Freizeit mit Gleichgesinnten in
den Selbsthilfegruppen der Deutschen Schmerz-
liga e.V. Gemeinsame Aktivitäten und Gespräche
helfen, die eigenen Schmerzen besser zu akzeptie-
ren, zu verarbeiten und Lebensfreude zurückzuge-
winnen.
� Nutzen Sie psychologische Unterstützung im Rah-
men Ihrer Schmerztherapie. Psychotherapeuten
arbeiten oft eng mit Schmerztherapeuten zusam-
men. Sie helfen Patienten, sich von Ängsten und
Sorgen zu lösen, Selbstvertrauen zu gewinnen und
wieder positiv zu denken.
Wie Sie im Alltag mehr Lebensqualität gewinnen können
24 
2125
Ihre Vorteile als Mitglied im Überblick
Von, mit und für Schmerzpatienten
● Rat und Hilfe am Schmerztelefon
Mo - Fr: 9.00-12.00 Uhr, Tel.: 069 / 20 019 019
Mo + Mi: 18.00-20.00 Uhr, Tel.: 06201 / 60 49 415
(außer an Feiertagen)
● Interessenvertretung chronisch Schmerzkranker
in Öffentlichkeit und Politik
IHRE VORTEILE ALS MITGLIED IM ÜBERBLICK:
● Telefonische Sprechstunde mit Schmerzthera-
peuten
● Telefonische Sprechstunde mit einem Rechtsan-
walt zu sozialrechtlichen Fragen
● Tatkräftige Unterstützung regionaler Selbsthilfe
gruppen (Gründungsberatung, Materialien, För-
dermittel, Qualifizierung)
● Kooperation mit der ärztlichen Partnerorganisation
„Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.“
Hilfe in Ihrer Nähe
● Anschriften von Schmerztherapeuten, Schmerz-
kliniken und regionalen Selbsthilfegruppen
● Regionale Patientenveranstaltungen mit
Schmerzexperten
Bestens informiert
● Homepage, Schmerzliga-Magazin, Newsletter
● Informationsbroschüren

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